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Samo ArtikelSamo (* ?, †wohl 658) war ein aus dem Frankenreich stammender Kaufmann (und/oder Diplomat) und der erste namentlich bekannte Herrscher der Slawen. Um 623/624 begründete er das in Ostmitteleuropa gelegene sogenannte Reich des Samo, dessen Schicksal nach seinem Tod 658 unbekannt ist. Das Zentrum des Reichs befand sich wohl in dem weiten südlichen March-Gebiet, seine genaue Lage ist aber bis heute umstritten.
Das Reich des Samo war das erste bekannte politische Gebilde der heutigen Westslawen. Es war noch kein "Staat", sondern eher ein Stammesbund oder eine höhere Stufe eines Stammesbundes (auf Englisch "supra-tribal union"), ein Zusammenschluss von Eliten bzw. eine Konföderation mehrerer mehr oder weniger selbständiger "Fürstentümer" (ducates).
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Die schriftlichen Quellen zu Samo und seinem Reich sind äußerst arm. Die einzige zeitgenössische Quelle, in der von den Ereignissen berichtet wird, ist die Fredegar-Chronik (auch: Chronik des Fredegar, Fredegarii Chronicon (4, 48; 68)). Deren zweiter Teil, im die Geschichte der Franken zwischen 584 und 642/643 beschrieben wird, gilt, trotz einiger Mängel, als Hauptquelle der fränkischen Geschichte dieser Zeit. Das Problem dieser Quelle ist, dass sie ausschließlich die fränkische Perspektive enthält, Ereignisse, die keinen Bezug zu dem Frankenreich hatten, nicht erwähnt und ein Korrektiv für die slawische Sicht nicht zur Verfügung steht.
Alle anderen Quellen sind von ihr abgeleitet und viel jünger und besitzen damit kaum eigenen Quellenwert. Dabei handelt es sich um die Gesta Dagoberti I. regnis Francorum aus dem ersten Drittel des 9. Jahrhunderts aus dem Kloster Saint Denis bei Paris und vor allem um die um 870 verfasste Conversio Bagoariorum et Carantanorum aus Salzburg, dem Zentrum des bayerischen Klerus, die zudem in mehreren Teilen von den Gesta abgeleitet ist.
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In der Fredegar-Chronik (IV, 48) wird ein homo nomen Samo, natione Francos, de pago Senonago genannt (Ein Mann namens Samo, ein Franke/von Geburt ein Franke/ fränkischer Herkunft, aus der Gegend/Gau von "Senonago"). Dieser Satz kann jedoch unterschiedlich übersetzt und gedeutet werden. Zumeist wird heute davon ausgegangen, dass Senonago der heutigen französischen Stadt Sens südöstlich von Paris entspricht, aus der die Familie von Samo stammte. Der Name Samo wäre dann keltischen Ursprungs, sein Träger könnte Galloromane gewesen sein, das heißt ein romanisierter Bewohner der ehemaligen römischen Provinz Gallien, die in dem 7. Jahrhundert den Kern des fränkischen Königreiches bildete. Anderen, eher unwahrscheinlichen Interpretationen zufolge handelt es sich beim Senonago allerdings um Soignies oder Saalegau . Mit "natione Francos" wurden nach manchen Quellen in dem 7. Jahrhundert allgemein die Bewohner des multiethnischen Frankenreichs genannt.
Heute eher sekundär sind andere Deutungen, die jedoch recht zahlreich sind. So wird Samo entgegen den Angaben in der Fredegar-Chronik als Slawe gesehen, vor allem aufgrund einiger Angaben in der Conversio Bagoariorum et Carantanorum (siehe dazu unten den Abschnitt Geographische Lage). Neuerdings wird ab und zu das Wort Samo als altslawischer Rangtitel betrachtet: Samo soll "Herr" oder "Selbstherrscher" bedeuten, vor allem da "samo-" in slawischen Sprachen "selbst-" bedeutet. Es gibt auch veraltete Ansichten, dass Samo eine Abkürzung des slawischen Namens Samoslav ist. Und schließlich könnte der Name vom jüdischen Samuel abgeleitet sein. Der keltische Ursprung des Namens bleibt aber am wahrscheinlichsten.
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Die Slawen besetzten von den hier relevanten Gebieten spätestens um 500 die heutige Südslowakei, in dem Laufe des 6. Jahrhunderts auch Mähren, das nördliche Niederösterreich, nordwestliche Böhmen, Kärnten, nördliche Slowenien und nördliche Kroatien. Vereinzelte Slawen gab es auch in dem heutigen Ungarn. In dem heutigen Ostungarn und Siebenbürgen waren seit 455 vor allem die Gepiden angesiedelt, in dem heutigen Westungarn seit 547 die Langobarden. Südlich der oben genannten Gebiete befand sich das Byzantinische Reich, östlich und nördlich der Gebiete lebten ausschließlich Slawen und westlich der Gebiete befand sich das Frankenreich.
In dieser Situation kamen 567 aus Asien die nomadischen Awaren ungefährins heutige Ungarn. 567 schlugen sie die Gepiden vollständig, die somit als selbständiger Verband untergingen. 568 zwangen sie auch die Langobarden zu einer Umsiedlung nach Norditalien, siedelten sich etwa in dem heutigen Ungarn an und gründeten ein Kaganat. Dieses mächtige Awaren-Reich unterwarf am Ende des 6. Jahrhunderts die Slawen auf den besetzten Gebieten und in den Grenzgebieten. 595-602 folgte ein fast ununterbrochener Krieg der Awaren gegen das Byzantinische Reich in dem Süden.
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Der Text der Fredegar-Chronik beginnt in dem Jahre 623/624, in dem 40. Regierungsjahr des fränkischen Königs Chlothar II.. In diesem Jahr unternahm dieser Quellen zufolge der negucians (Kaufmann oder vielleicht Unterhändler) Samo mit seinen Gefährten eine Handelsreise zu den "auch als Wenden genannten Slawen". Trotz eines fränkischen Verbotes lieferte Samos Karawane, genauso wie damals andere Kaufleute aus Gallien, vermutlich vor allem Waffen an die Slawen. Die "Karawanen" waren zu dieser Zeit auch militärisch gut ausgerüstet und geschützt, und sie wurden von bewaffneten Kriegern begleitet, da Reisen in das Ausland, vor allem wenn dabei Waren befördert wurden, gefährlich waren. Nach manchen Ansichten hingegen war Samo ein Sklavenhändler, der sich bei den Slawen neue "Ware" holte.
Zu dieser Zeit begannen die Slawen einen Aufstand gegen die awarische Oberhoheit. Die Gründe waren den Quellen zufolge, dass sie gezwungen waren, in den ersten Reihen in der awarischen Armee zu kämpfen, dass sie den Awaren hohen Tribut leisten mussten sowie dass die Awaren bei den Slawen alljährlich den Winter verbrachten und mit ihren slawischen Frauen Kinder zeugten. Die Aufständischen waren jedoch keine Slawen, sondern awarisch-slawische Mischlinge, das heißt Kinder awarischer Väter und slawischer Mütter. Der Aufstand brach in einer Zeit aus, als sich die Awaren, zusammen mit den Persern und von südslawischen Slawen unterstützt, zur Eroberung von Konstantinopel anschickten, und war vielleicht dank diesem Umstand erfolgreich. Die Awaren erlitten 626 bei Konstantinopel eine Niederlage. Nach anderen Forschungsmeinungen begann der Aufstand nach einem erfolglosen Feldzug der Awaren gegen Konstantinopel in dem Jahre 620.
Samo und seine Gruppe nahm nach ihrer Ankunft bei den Slawen (von Anfang an?) am Kampf der Slawen gegen die Awaren teil und seine "militärische Fähigkeit" verhalf laut Fredegar-Chronik den Slawen zu dem Sieg. Die Forscher interpretieren diesen Teil so, dass entweder Samo selbst ein guter Kämpfer und/oder Kampfführer war oder dass die militärische Begleitung seiner Karawane sehr hilfreich war bzw. dass Samos Hilfe in der Lieferung von Waffen und in der Kontaktaufnahme mit dem fränkischen König bestand. Daraufhin wurde Samo laut Fredegar-Chronik von den Slawen wegen seiner entscheidenden Beteiligung an einer siegreichen Schlacht zu dem rex ("König") gewählt. Manche Historiker ziehen die Begriffe Anführer oder Fürst vor. rex war immerhin derselbe Titel, den auch der Herrscher des Frankenreichs trug. Es existieren jedoch noch weitere mehr oder weniger wahrscheinliche Hypothesen über die Umstände der Königserhebung von Samo. So ist nicht ausgeschlossen, dass Samo von Dagobert I., dem Sohn Chlothars, selbst zu den Slawen ausgesandt wurde, der zu dieser Zeit von seinem Vater als Unterkönig in dem austrasischen Reichsteil eingesetzt worden war. Die Absicht einer solchen Aktion war vielleicht gewesen, eine weitere Macht zwischen den Awaren und dem fränkischen Reich aufzubauen und sein Reich so vor weiteren awarischen Angriffen zu schützen. Andere sehen dagegen in Samo einen "Kompromisskandidaten", auf den sich mehrere slawische Anführer hatten einigen können. Die Wahl fiel möglicherweise auf einen Fremden, um nicht einen der konkurrierenden Anführer gegenüber den anderen herauszuheben.
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Samo passte sich dem neuen kulturellen Umfeld, das sich von dem fränkischen Reich deutlich unterschied, rasch an. In der Fredegar-Chronik wird erwähnt, dass er 12 slawische Frauen und mit ihnen 22 Söhne und 15 Töchter gehabt habe. Dabei soll es sich den Ansichten einiger Historiker zufolge um Frauen aus den verschiedenen von Samo beherrschten Fürstentümern gehandelt haben, das heißt um "politische Heiraten", worauf sich auch 12 Stämme unter seiner Führung zusammengeschlossen hätten. Angesichts der vielfältigen Bedeutung der Zahl in dem Mittelalter sollte die Verläßlichkeit dieser Angabe jedoch nicht überschätzt werden. Unter Samos Herrschaft sollen die Slawen noch weitere erfolgreiche Kriege gegen die Awaren geführt haben.
Ansonsten informiert die Fredegar-Chronik über das Reich des Samo ca. insofern, als es einen Bezug zu den Franken gibt. So wird angegeben, dass das von den Awaren befreite Gebiet von weiteren fränkischen Kaufleuten aufgesucht wurde. In dem Jahre 631/632 beraubten und töteten Slawen eine Gruppe fränkischer Kaufleute. Daraufhin schickte Dagobert Gesandte in Samos Reich, um Wiedergutmachung für diesen Mord und Diebstahl zu verlangen. Es wird zuweilen angenommen, dass Dagobert diesen Zwischenfall zu dem Anlass genommen hätte, eine intensivere "Ostpolitik" zu beginnen. Allerdings gehörte der Schutz der fränkischen Untertanen auch innerhalb eines fremden Machtbereichs zu den Aufgaben des Königs. Die diplomatischen Verhandlungen, die ein Sicharius in dem Auftrage König Dagoberts führte, blieben erfolglos. Die Fredegar-Chronik beschreibt sie wie folgt:
... wie es bei den Heiden und törichten Hochmütigen üblich ist, machte Samo nichts von dem, was sein Volk verbrochen hatte, wieder gut, sondern er wollte nur...dass gegenseitig Recht und Gerechtigkeit hinsichtlich dieser und anderer Anschuldigungen, die sich zwischen den Parteien ergaben, geltend gemacht wird. Sicharius ... sprach Samo gegenüber unangebrachte [ungerechte/beleidigende] Worte, die ihm nicht nicht auferlegt worden waren, ja sogar Drohungen aus, dass Samo und sein Volk Dagobert zu dem "servicium" [Dienstbarkeit oder Unterstellung unter seine Macht] verpflichtet sind. Samo antwortete bereits mit Wut: "Das Land, welches wir innehaben, ist das Land Dagoberts, und wir sind auch die seinen, vorausgesetzt jedoch, dass er anordnet, dass mit uns Frieden gehalten wird. Sicharius sagte:"Es ist nicht möglich, dass Christen und Diener Gottes Freundschaft mit Hunden schließen." Samo erwiderte: "Wenn ihr die Diener Gottes seid und wir die Hunde Gottes, [dann] während ihr ununterbrochen gegen Gott handelt, nahmen wir uns die Erlaubnis, euch mit unseren Zähnen in Stücke zu reißen. Dann warf Samo Sicharius hinaus.
Im selben Jahr wurde ein großangelegter Feldzug Dagoberts mit drei oder vier Heeren gegen Samo geführt. (Das vierte Heer wird in der Fredegar-Chronik später nicht mehr erwähnt.) Die verbündeten Alamannen unter Herzog Chrodobert griffen die Randgebiete des Samo-Reichs an. Die verbündeten friulanischen Langobarden fielen sehr wahrscheinlich von Süden ein und besetzten die "regio Zellia", wohl in dem heutigen Gailtal in Kärnten gelegen. Das austrasische Hauptheer (vielleicht von Dagobert selbst angeführt) sollteins Herz des Reiches vordringen. Den einzelnen Heeren gelang es jedoch nicht, sich zu vereinigen. Während die ersten beiden Teilheere siegreich mit einer vielen Gefangenen zurückkehrten, wurde das austrasische Hauptheer nach einer dreitägigen vergeblichen Belagerung eines Ortes Wogastisburg, dessen Lage unbekannt ist, total geschlagen. Die übrig gebliebenen Kämpfer Dagoberts mussten flüchten und sämtliche Waffen und Zelten zurücklassen. Der Versuch, Samo zu unterwerfen, war damit gescheitert.
Daraufhin unternahmen die Slawen unter Samo mehrfach Einfälle in Thüringen und in dem östlichen Frankenreich, worauf auch Derwan (Dervan), ein bis dahin den Franken unterstehender Fürst der in dem Elbe-Saale-Gebiet ansässigen Sorben, von den Franken abfiel und sich Samo anschloss (Dervanus dux gente Surborium que ... ad regnum Francorum iam olem aspecserant). Seine Erwähnung ist der erste Quellenbeleg für die Anwesenheit von Slawen nördlich des Erzgebirges. Aufgrund dieser Nachrichten wird von mehreren Wissenschaftlern angenommen, dass zu dieser Zeit auch (West-)Böhmen und die Gebiete der Bavaria Slavica Bestandteil des Samo-Reiches wurden.
Die Slawen unternahmen später weitere räuberische Einfälleins Frankenreich, was Dagobert zu diversen Maßnahmen zu dem Schutz der Ostgrenze seines Reiches zwang. So ernannte er 633 seinen Sohn Sigisbert zu dem König Austrasiens. Weitere Angaben über Samos Reich fehlen, so dass vermutlich bis zu Samos Tod keine bezeichnenswerten Auseinandersetzungen zwischen den Franken und Samo mehr stattgefunden haben. Aus der Dauer seiner Herrschaft, die mit 35 Jahren angegeben wird, lässt sich erschließen, dass Samo um das Jahr 658 verstarb.
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Da für das heutige Tschechien und die Slowakei für die folgenden 150 Jahre (633/658 - 791) überhaupt keine schriftlichen Quellen verfügbar sind, ist das Schicksal des Reiches völlig unklar. Aufgrund der archäologischen Funde ist bekannt, dass die Awaren um 650 in die heutige südliche Slowakei und in dem 8. Jahrhundert auch nach Südmähren zurückkehrten und dort von da an mit den Slawen offensichtlich in Symbiose weiter lebten. Die Slawen in nördlicheren und westlicheren Gebieten waren offenbar unabhängig von der awarischen Oberherrschaft. In dem Frankenreich kam es nachdem Tod von Dagobert (639) zu einer Krise, in der die Franken kaum eine Bedrohung für die benachbarten Slawen darstellten. Es erscheint es also durchaus möglich, dass einige politische Strukturen des Reiches des Samo Bestand hatten.
Die schriftlichen Quellen setzen erst am Ende des 8. Jahrhunderts in dem Zusammenhang mit dem Kampf der Franken unter Karl dem Großen gegen die Awaren (788/791 - 796/803)
wieder ein, die dabei 799 oder 802/803 geschlagen wurden. Karl der Große wurde bei diesen Kämpfen von Slawen unterstützt (z. B. 791, 795) und die Slawen führten auch ihren eigenen Kampf (z. B. "infestationes Sclavorum" 802-805). Zu dieser Zeit existierten in dem mittleren Donauraum die beiden slawischen Fürstentümer Mährisches und Nitraer Fürstentum (siehe Großmähren). Ein direkter politischer und institutioneller Zusammenhang zwischen dem Reich des Samo und den beiden Fürstentümern muss dabei jedoch nicht bestanden haben, allerdings konnte eine Siedlungs- und kulturelle Kontinuität archäologisch belegt werden. Diese Siedlungs- und kulturelle Kontinuität kann zwar selbstverständlich für die Rekonstruktion politischer Prozesse nicht herangezogen werden, sie schuf aber die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen für die Entstehung der beiden Fürstentümer bzw. Großmährens. Zudem wird der Sachverhalt, dass von den Slawen in Mähren und der Slowakei - in dem Unterschied zu anderen Slawen vor allem in Böhmen und Polen - bereits zu dem Zeitpunkt der Entstehung Großmährens keine Stammesnamen mehr bekannt sein sollen (es werden stets ca. die Mährer oder die mährischen Slawen oder die slověne erwähnt, siehe z.B. bereits 843 die Auflistung bei dem Geographus Bavarus)), dahingehend gedeutet, dass hier schon früher festere Herrschaftstrukturen als die Stammesbünde und damit wohl mögliche Nachfolger des Samo-Reiches, entstanden waren. Immerhin in der deutschsprachigen Forschung wird zumeist davon ausgegangen, dass Samos Herrschaft nach seinem Tod 658 zerfiel und nicht traditionsbildend wirkte. Als Begründung dieser Ansicht wird zumeist angegeben, dass die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen in diesem Gebiet allgemein noch nicht so fortgeschritten waren, dass ein Gebilde wie das Reich des Samo längerfristig hätte überleben können.
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Die Lage des Samo-Reiches ist bis heute umstritten, auch wenn von manchen Autoren eine Lösung des Problems suggeriert wird. Die Gründe hierfür sind ein Mangel an alternativen schriftlichen Quellen sowie neuerdings vor allem Uneinigkeiten bezüglich der genauen Datierung der archäologischen Funde (Avenarius 2002). Damit ergibt sich viel Spielraum für verschiedene Interpretationen. In dem folgenden sollen einige der bisherigen Lokalisierungsvorschläge genannt und die Argumente dafür und dagegen vorgestellt werden:
Die aktuellen tschechischen Forschungsmeinungen, wie sie insbesondere von Michal Lutovský und Nad'a Profantová geäußert wurden, gründen in dem wesentlichen auf dem bereits in den 1960er und 70er Jahren erreichten Forschungsstand, besonders auf Ján Dekan: Das Zentrum des Reiches befand sich in dem heutigen Mähren und in dem angrenzenden Niederösterreich sowie in der Westslowakei (siehe Karte 1 (http://stelweb.asu.cas.cz/slechta-web/HISTORIE/wogastisburg/samo.jpg)). Das Reich umschloss aber auch das Gebiet der Sorben unter Dervanus, sicher auch (West-)Böhmen und vielleicht auch die Südwestslowakei (das Gebiet der Lausitz ist mit Sicherheit zu streichen, siehe bei Wogastisburg). Manche Wissenschaftler rechnen auch die an Tschechien angrenzenden Gebiete Bayerns und Oberösterreichs hinzu. Die Zugehörigkeit Karantaniens wird entweder völlig ignoriert oder als zweifelhaft gewertet. Die Zugehörigkeit Böhmens wird vor allem damit begründet, dass sich auch die Sorben in dem Elb-Saale-Gebiet seit den 630er Jahren Samo anschlossen hatten. Andere Forscher nehmen jedoch an, dass die Zugehörigkeit (West-)Böhmens wegen der großen Entfernung zu den Awaren eher unwahrscheinlich ist und ca. vorübergehend war.
Der Slawenaufstand, der zur Entstehung des Reiches führte, soll sich nach der Ansicht der meisten slowakischen und tschechischen Forscher am nordwestlichen Rand des Awaren-Reiches, wohl irgendwo in dem Raum um Bratislava, abgespielt haben (siehe das untere schraffierte Gebiet in der Karte). Der Grund hierfür liegt darin, dass der Fredegar-Chronik zufolge die Aufständischen awarisch-slawische Mischlinge gewesen sind, woraus folgt, dass es ein Gebiet gewesen sein musste, das die Awaren mindestens seit einer Generation aufsuchten. Desweiteren findet sich hier die Angabe, dass die Awaren zu den Slawen regelmäßig zu dem Überwintern kamen. Somit mußte es sich wohl um ein slawisches Gebiet am Rande des Awaren-Reiches handeln. Zu einer Vermischung awarischer und slawischer Kulturelemente ist es archäologischen Quellen zufolge von den fraglichen Gebieten in der fraglichen Zeit ca. in dem Raum Bratislava, insbesondere in dem heutigen westlichen Bratislava (Bratislava-DevÃnska Nová Ves , Bratislava-Záhorská Bystrica ), d. h. in der Umgebung von Bratislava-DevÃn, gekommen. Dieser Raum zählt auch zu den Gebieten mit den ältesten nachweislich slawischen Funden Mitteleuropas (um 500) und es lag auf einem sehr wichtigen Donauhandelsweg. In der älteren Forschung wurde das Gebiet des Aufstands jedoch häufig in Karantanien vermutet.
Abgesehen vom Ort des Aufstands bieten die slowakischen Forschungen ein zu dem Teil abweichendes Bild. Das Zentrum des Reiches soll sich hiernach ebenso irgendwo in diesem Raum bzw. in dem sonstigen südlichen March-Gebiet befunden haben. Immerhin hatte das Zentralgebiet sicher auch "Ausläufer" in dem heutigen Südmähren und östlichen Niederösterreich, was vor allem damit begründet wird, dass die awarischen Funde aus Mähren und Niederösterreich etwas später datiert werden. Gegen die Lage des Zentrums (nicht des Aufstands!) in dem Raum Bratislava soll allerdings die Lage direkt an der Grenze des Awaren-Reichs sprechen (Tatiana Å tefanoviÄ?ová). Zu Böhmen heißt es meistens, dass es gar nicht oder vielleicht erst ab den 630er Jahren zu dem Reich gehörte. Nach anderen Ansichten gehörte auch das Gebiet um die Stadt Nitra zu dem Samo-Reich. Die Annahme, dass Karantanien ebenfalls noch dazugehörte, sei entweder veraltet oder umstritten oder Karantanien ca. vorübergehend Teil des Reiches gewesen. Für die Zugehörigkeit der Slowakei spricht unter anderem eine Datierung der Funde, nach der die Awaren in die südwestliche Slowakei etwa nach 650, das heißt nachdem Ende des Awaren-Reichs, wieder zurückkehrten. Die früher geäußerte Vermutung, dass das Zentrum der strategisch besonders gut gelegenen Burghügel DevÃn (heute Teil von Bratislava) war, konnte archäologisch nicht nachgewiesen werden (siehe dazu unter DevÃn).
Die Lage in Karantanien (ungefähr heutiges Kärnten und Slowenien) bleibt wohl in allen Interpretationen möglich, da in der Conversio Bagoariorum et Carantanorum behauptet wird, dass Samo ein Herrscher der Karantanen war und dass das Zentrum des Reiches in Karantanien lag. Dagegen wird nun häufig der Einwand erhoben, dass es sich zu dem einen um eine Verwechslung von Karantanien und Carnuntum handeln würde, die in dem frühen Mittelalter üblich war, und zu dem anderen ein der Herrscher Karantaniens namens Valuk (Walluc) bekannt ist. Außerdem waren die hiesigen Slawen bis 630 unter der Oberhoheit der Langobarden.
Von den übrigen Theorien seien noch Versuche erwähnt, das Zentrum von Samos Herrschaft in dem Wiener Raum (Wolfgang Fritze) oder in Ostfranken (Heinrich Kunstmann) zu suchen. In Deutschland wurde zuletzt von Martin Eggers eine äußerst umstrittene These veröffentlicht, nach der das Reich in Böhmen und dem Main-Gebiet zu suchen ist.
Schließlich gibt es neuerdings Versuche, Fredegars Text in dem Einklang mit den archäologischen Funden etwas freier aufzufassen. So gibt es Theorien, dass der Aufstand in Wirklichkeit nicht gegen die awarische Oberherrschaft gerichtet war, sondern gegen den Versuch der Awaren, nach Nordwesten vorzudringen. Eine andere neue Theorie besagt, dass der Aufstand der awarisch-slawischen Mischlinge ursprünglich mitten in dem Awaren-Reich begann, sich die Aufständischen dann aberins nordöstliche Randgebiet verschoben (Jan Steinhübel). Abschließend sei noch erwähnt, dass als konkrete Zentren - sei es nun aufgrund archäologischer Funde oder aus anderen Gründen - in der älteren Forschung von den bekannteren Orten vor allem MikulÄ?ice , Olomouc, Wien und Bratislava genannt wurden. Eine solche Identifizierung wird heute größtenteils abgelehnt.Siehe hierzu auch die Beschreibung Wogastisburg.
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- Wolfgang H. Fritze: Behandlungen zur frühslawischen und frühfränkischen Geschichte bis in das 7. Jahrhundert. Europäische Hochschulschriften Reihe 3. Geschichte und ihre Hilfswissenschaften 581 (Frankfurt am Main 1994). [Dissertation von 1952!]
- Hansjürgen Brachmann: Als aber die Austrasier das castrum Wogastisburc belagerten (Fredegar IV 68). Onomastica Slavogermania 19. Abhandl. Sächs. Akademie Wiss. Leipzig. Philologisch-historische Klasse 73 Hf. 2 (Berlin 1988) 17-33.
- Walter Pohl: Samo. In: Lexikon des Mittelalters Bd. 7. Planudes - Stadt (Rus') (München 1995), Sp. 1342 f. ISBN 3760889077.
- Manfred Eggers: Samo – "Der erste König der Slawen". Eine kritische Forschungsübersicht. Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder 42, 2001, S. 62–83. [Die Thesen von Eggers hier und auch in anderen Veröffentlichungen sind höchst umstritten und werden von der übrigen Forschung zumeist deutlich abgelehnt!]
- Sebastian Brather: Archäologie der westlichen Slawen. Siedlung, Wirtschaft und Gesellschaft in dem früh- und hochmittelalterlichen Ostmitteleuropa. Ergänzungsbände zu dem Reallexikon der germanischen Altertumskunde 30 (Berlin u.a. 2001) 122. ISBN 3110170612
- Ralph Pöllath: Karolingerzeitliche Gräberfelder in Nordostbayern. Eine archäologisch-historische Interpretation mit der Vorlage der Ausgrabungen von K. Schwarz in Weismain und Thurnau-Alladorf (München 2002). ISBN 3934207014
- Walter Pohl: Die Awaren. Ein Steppenvolk in Mitteleuropa 567 - 822 n. Chr. Reihe "Frühe Völker" (2. akt. Aufl. München 2002). ISBN 3406489699.
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- Michal Lutovský / Nad'a Profantová: Sámova Å™ÃÅ¡e (Praha 1995).
- Michal Lutovský: Encyklopedie slovanské acheologie v ÄŒechách, na MoravÄ› a ve Slezsku (Praha 2001). [Artikel "Sámo" und "Sámova Å™ÃÅ¡e" S. 291 f., "Wogastisburg" S. 365] ISBN 8072770543.
- Magdaléna Beranová: Slované (2. überarb. Aufl. Praha 2000). ISBN 8072770225.
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- Alexander Avenarius: Samova rÃÅ¡a a Slovensko. SúÄ?asný stav poznania. In: Nitra v slovenských dejinách (Martin, Bratislava 2002). ISBN 8070906251
- Tatiana Å tefanoviÄ?ová: NajstarÅ¡ie dejiny Bratislavy. (Bratislava 1993). ISBN 8085331071.
- Tatiana Å tefanoviÄ?ová: Osudy starých Slovanov. (Bratislava 1989)
- Matúš KuÄ?era: Stredoveké Slovensko. Cesta dejinami (Bratislava 2002). ISBN 8080462178.
- Veronika Plachá / Jana Hlavicová: DevÃn. Slávny svedok naÅ¡ej minulosti. Ilustrované dejiny (Bratislava 2003). ISBN 8080462313.
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